Die Finanzmarktkrise aus Sicht international agierender Banken – Antworten von Dr. André Ehlerding
Einige internationale Banken wurden von der Finanzmarktkrise besonders hart getroffen. Was sind aus Ihrer Sicht mögliche Folgen und Herausforderungen?
Langfristig überleben werden nur diejenigen Banken, deren Geschäftsmodell zwei zentrale Bedingungen erfüllt: Zukunftsfähige Geschäftsfelder müssen – wie vor der Krise auch – über eine erkennbare Wachstumsphantasie und die Aussicht auf eine vielleicht abgemilderte, aber nachhaltige Rendite verfügen. Zusätzlich sind aber aus Risk-Return-Sicht riskante, volatile Aktivitäten und Engagements in stabilen, risikoarmen Geschäftsfeldern viel besser auszubalancieren als bisher. Diese Herkulesaufgabe, nun gleichermaßen Wachstum und Ertragsstärke wie Risikoarmut und Diversifikation aufweisen zu müssen, impliziert zum Teil grundlegende Veränderungen in den Geschäfts- und Steuerungsmodellen und dürfte noch für eine ganze Weile einen weltweiten Neuordnungs- und Konsolidierungsprozess fördern.
Im Zuge der Krise schreiben einige Institute Milliardenverluste. Dies hat Auswirkungen auf die Kapitalbasis. Sehen Sie hier Handlungsbedarf?
Ganz klar. Sowohl die regulatorische als auch die ökonomische Eigenkapitalausstattung spielt in einem verschärften Wettbewerbsumfeld eine entscheidende Rolle. Sie hat Einfluss auf die Refinanzierungskosten sowie das Vertrauen der Anleger und Kunden. Alle Institute müssen ihre Eigenkapitalquoten stärken, wenn es darum geht, die Geschäftsstrategie für die kommenden Monate und Jahre festzulegen. Eine operative Kapitalsteuerung und eine fundierte strategische Kapitalallokation sind unerlässlich.
Auf die Finanzmarktkrise folgt eine weltweite Rezession. Müssen Institute auch hierfür bestimmte Vorkehrungen treffen?
Wir befinden uns momentan in einem für Banken sehr herausfordernden Marktumfeld, das sicherlich noch für einige Zeit sehr kritisch bleiben wird. Banken sollten sich also gut auf die anstehenden Herausforderungen vorbereiten. Erstens sollten die Institute ihren Fokus auf das Monitoring und aktive Management der Risiken richten, die sie bereits in ihren Büchern haben. Zweitens gilt es, durch eine umsichtige und risikoorientierte Geschäftspolitik nicht weitere, mit der Rezession einhergehende Risiken in die Bücher zu nehmen. Drittens können dann gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um das eigene Geschäftsmodell zu stabilisieren und neu auszurichten.